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Hier finden Sie unser Theologisches ABC. Passend zu den Buchstaben des Alphabets greifen wir nach und nach einen theologischen Begriff heraus, teilen mit Ihnen unsere Gedanken zu diesem Begriff und laden zum Weiterdenken ein.

 

 

Aaronitscher Segen
Bethlehem
Cherubim
Dreieinigkeit

D - wie

Dreieinigkeit


Dass wir als Christen an den dreieinen Gott glauben, das ist einerseits selbstverständlich. Schließlich werden wir auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Jeder Gottesdienst beginnt mit dieser Namensnennung, und unser Glaubensbekenntnis ist dementsprechend in drei Abschnitte eingeteilt.


Doch wie stehen Vater, Sohn und Geist genau zueinander? Hier kommt der Begriff der Dreieinigkeit ins Spiel.


Viele schalten bei diesem Stichwort innerlich ab. Sie denken: Das ist doch alles spekulativ, das brauche ich nicht für meinen Glauben. Andererseits ist es gut, wenn wir auch darüber Auskunft geben können. Beispielsweise gegenüber dem konfessionslosen Mitschüler, der die Rede vom dreieinen Gott als unsinnig empfindet. Oder gegenüber der muslimischen Kollegin, die ihr Bekenntnis zu dem einen Gott betont und fragt, ob Christen denn wirklich an drei Götter glauben.

Die Menschen um Jesus spürten, dass dieser Mensch auf ganz besondere Weise mit Gott verbunden war. Die ersten Christen verkündeten Jesus als ihren auferstandenen Herrn, der im Himmel mit Gott lebt. Er habe seinen heiligen Geist gesandt, der die Herzen der Menschen erfülle, so dass sie an diese frohe Botschaft glauben können. Der Gott, der Himmel und Erde geschaffen und mit seinem Volk Israel einen Bund geschlossen hat, der sei sein Vater im Himmel. Der jungen Kirche stellte sich also wie von selbst die Aufgabe, darüber nachzudenken, wie Vater, Sohn und Geist zueinanderstehen. Der Ausgangspunkt der Überlegungen war gar nicht spekulativ.


Mit dem Begriff der Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit Gottes werden zwei Dinge zusammengedacht: Vater, Sohn und Geist sind wahrhaftig Gott, sie sind einander ebenbürtig. Und sie gehören zusammen als die drei Seinsweisen des einen Gottes. Denn wenn Jesus nicht am Wesen Gottes teilhätte, dann könnte er auch nicht Mittler zwischen Gott und den Menschen sein.


Der eine Gott erscheint in unterschiedlichen Beziehungsweisen als Gegenüber der Menschen. Dreieinigkeit – das bedeutet, dass Gott schon in sich selbst in Beziehung ist. Deshalb ist er seinem Wesen nach auf Beziehung ausgerichtet – auf Beziehung zu uns Menschen. Der dreieinige Gott des christlichen Glaubens steht der Welt keineswegs distanziert gegenüber, wie es bei manchen philosophischen Gottesvorstellungen der Fall ist.


Gott der Vater
ist der Ursprung allen Lebens, das er aus Liebe geschaffen hat. In seinem Sohn Jesus Christus hat seine Liebe zu uns Menschen konkrete Gestalt angenommen. Er ist den Menschen gleich geworden und ihnen nahe gekommen bis hin zu seinem Tod. Der Heilige Geist geht aus dem Vater und dem Sohn hervor und wirkt in uns Menschen.


Immer wieder neu schafft er Gewissheit des Glaubens. In der theologischen Tradition ist er immer wieder als „Band der Liebe“ bezeichnet worden, das zwischen Vater und Sohn vermittelt.


Übrigens: Im Kirchenjahr befinden wir uns gerade in der Zeit nach Trinitatis, dem Tag der Heiligen Dreifaltigkeit. Der Sonntag nach Pfingsten ist dem Nachdenken über das Geheimnis Gottes gewidmet, der uns als Vater, Sohn und Geist begegnet.


Dass Gott schon in sich selbst in Beziehung ist und uns Menschen zugewandt, das möchte ich mitnehmen in diese Zeit ohne besondere Kirchenfeste. Das zu wissen, schenkt uns einen neuen Blickwinkel auf unser Leben: Auch wenn wir im Blick auf das große Weltgeschehen und die Weite des Alls winzig wirken, sind wir Gott wichtig.


Er begleitet uns durch unser Leben, Tag für Tag. Er schenkt uns gute Gedanken und Zuversicht. Er ermutigt uns, auch selbst gute und hilfreiche Beziehungen zu gestalten.


Ihre Pfarrerin Sibylle Rupp

 

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C - wie

Cherubim

Ob als Schlüsselanhänger oder Dekofigur im Garten, auf Servietten oder als Bronzeengel in einer Vitrine - Engel haben Hochkonjunktur, nicht nur zur Weihnachtszeit. Die einen hängen sich einen Schutzengel ins Auto, andere verschenken ihn. Ob kitschig oder schlicht – Engelfiguren sind überall.

Auch die Bibel erzählt von Engeln. 

In der Bibel sind Engel zunächst einmal Boten, die von Gott geschickt werden, um den Menschen Nachrichten zu übermitteln. So etwa der prominenteste Engel in der Bibel: Gabriel, der Maria die Botschaft überbringt, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen wird.

In der Bibel ist außerdem von besonderen Engeln die Rede, wie beispielsweise die Cherubim (Plural von Cherub), die an verschiedenen Stellen im Alten Testament erwähnt sind.

Gleich am Anfang der Bibel wird von ihnen erzählt. Gott stellt die Cherubim vor den Garten Eden, damit sie diesen und den Weg zum Baum des Lebens bewachen (vgl. 1. Mose 3,24). Das Paradies ist für den Menschen geschlossen. Mit Weihnachten öffnet es sich wieder.

Im Weihnachtslied „Lobt Gott ihr Christen alle gleich“ (EG 27) singen wir in der sechsten Strophe: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis.“ Der Himmel, das schöne Paradies, ist wieder offen für uns Menschen.

Was tun Engel?

Man könnte die Cherubim als Gottes geflügelte Arbeiter beschreiben, denn ihre Aufgaben sind sehr vielfältig. In 2.Samuel 22,11 beispielsweise fungiert ein Cherub als geflügeltes Himmelsreittier für Gott. Eine andere Funktion haben die Cherubim im

Jerusalemer Tempel. Dort steht die Bundeslade „unter den Flügeln der Cherubim“ (vgl. 1.Kön. 8,6). Beides, Bundeslade und Cherubim, symbolisiert die Nähe und Präsenz Gottes.
Engel sind also eine Art himmlischer Hofstaat. Mir gefällt die Vorstellung, dass im Himmel durchgängig zu Gottes Lob gesungen wird – wie wir es im Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“ (EG 331) singen. Da heißt es in der zweiten Strophe:

„Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen, rufen dir stets ohne Ruh: ‚Heilig, heilig, heilig!‘ zu.“

Wie sie genau aussehen, ob und wie viele Flügel sie haben oder ob sie einen Heiligenschein tragen, wird in der Bibel nicht eindeutig beschrieben. Das ist auch nicht so wichtig. 
Engel wollen uns vor allem eines zeigen: Da ist ein Gott, der schützend seine Hand über uns hält. So ein Engel kann mir überall begegnen.

Rudolf Otto Wiemer hat das in einem Gedicht beschrieben: „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. […] Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.“

Jede und jeder kann anderen zum Engel werden. 

Und in den himmlischen Lobgesang Gottes mit einstimmen – das können wir auch: Großer Gott, wir loben dich; Herr, wir preisen deine Stärke!

Pfarrerin Julia Kling

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B - wie

Bethlehem

Diesen Namen kennen schon Kinder als Geburtsort von Jesus. Und in der Adventszeit gehen wir gedanklich wieder den Weg zur Krippe.

Der Ortsname hat eine schöne Bedeutung:
„Haus des Brotes“. Gemeint ist ein Ort, wo es genug zu essen gibt. Das passt zu seiner Lage im fruchtbaren judäischen Bergland.

Bethlehem hat in der Bibel eine sehr lange Geschichte.

Schon der Erzvater Jakob beerdigte seine Lieblingsfrau Rahel am Weg nach Bethlehem. Im Buch Rut begegnet der Ort im Zusammenhang mit einer Flüchtlingsfamilie: Zur Zeit der Richter herrscht in Bethlehem Hungersnot, ganz im Gegensatz zu dem, was der Name verspricht. Elimelech, seine Frau Noomi und seine beiden Söhne verlassen ihre Heimat und ziehen ins Nachbarland Moab. Elimelech stirbt in der Fremde, die Söhne später auch. Noomi kommt alt und einsam wieder zurück nach Bethlehem. Nur ihre Schwiegertochter Rut begleitet sie. Durch Gottes Hilfe bekommt diese einen Mann aus der Großfamilie Elimelechs. So wendet sich die Geschichte zum Guten. Rut wird schließlich zur Großmutter von Isai, dem Vater des Königs David.

Nachdem Saul, der erste König Israels, nicht nach Gottes Willen gehandelt hat, soll der Prophet Samuel einen neuen König salben. Gott schickt ihn nach Bethlehem zu Isai, der mehrere Söhne hat. Einer nach dem anderen wird dem Propheten vorgestellt. Samuel schätzt sie nach ihrem Aussehen und ihrer Größe ein. Doch Gottes Stimme sagt zu ihm: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an“. Schließlich soll er David salben, den Jüngsten, der die Schafe hütete und an den keiner gedacht hat.

Im Lauf der Jahrhunderte wurde David zum Inbegriff eines guten und gerechten Königs stilisiert. Als fremde Mächte das Land beherrschten, kam die Hoffnung auf, dass Gott einen Retter schicken würde wie einst David und aus seiner Nachkommenschaft. Der Prophet Micha kündigte an, dass der Messias aus Bethlehem kommen werde.

Diese ganze Vorgeschichte wirft ihr Licht auf die Erzählungen von der

Geburt Jesu in Bethlehem.

Obwohl Jesus der Messias ist, wird er auf der Reise geboren und in eine Krippe gelegt. Hirten – wie David in seiner Jugend einer war – kommen als erste Gratulanten. Bald schon muss die heilige Familie vor Herodes fliehen. Das knüpft an die Fluchtgeschichte von Elimelech und Noomi an.

Von Anfang an wird Jesus vorgestellt als einer, der ganz anders ist, als wir uns einen König vorstellen. Später wendet er sich den einfachen Menschen zu, besonders den Hoffnungslosen am Rande. So beherzigt er auf neue und ungeahnte Weise den Wahlspruch aus der Davidsgeschichte: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“

Jesus sucht die Herzen der Menschen, um sie mit Freude und Frieden zu erfüllen. So wirkt er weiter bis heute!

Bethlehem
Ein Ort in allen vier Winden,
ein Ort mit Tauben und Blinden –
Bethlehem.
Ein Ort, so arm wie verloren,
mit verschlossenen Herzen und Ohren –
Bethlehem.
Ein Ort mit Gassen und Straßen,
in denen Flüchtlinge saßen –
Bethlehem.
Ein Ort mit Spöttern und Frommen,
ein Ort, wo wir alle herkommen –
Bethlehem.
Ein Ort, wo wir alle hingehen,
das Kind in der Krippe zu sehen –
Bethlehem.
Ein Ort, wo wir knien auf der Erden:
Gott will unser Bruder werden –
Bethlehem.
            Rudolf Otto Wiemer

Pfarrerin Sibylle Rupp

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A - wie

Aaronitischer Segen

Für viele Gottesdienstbesucher ist das besonders wichtig: Dass ihnen am Ende des Gottesdienstes der Segen zugesprochen wird, dass sie mit dem Segen Gottes in den Tag, in die neue Woche und ins Leben gehen.

Meist ist es derselbe Segen, der am Schluss des Gottesdienstes gesprochen wird:

„Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

Dieser Segen heißt „Aaronitischer Segen“.
Woher kommt dieser Name?

Die Worte des aaronitischen Segens stammen aus der Geschichte, als das Volk Israel nach der Flucht aus Ägypten am Sinai die Gebote erhielt und dann durch die Wüste ins gelobte Land zog. Nach der biblischen Überlieferung im vierten Buch Mose gibt Gott Mose die Anweisung an dessen Bruder Aaron, eben diese Worte zu verwenden, wenn Aaron oder seine Söhne die Israeliten segnen.

Der aaronitische Segen ist ein priesterlicher Segen, denn Aaron und seine Söhne waren die Priester im alten Israel. Bis heute ist es im orthodoxen Judentum so, dass nur die „Nachfahren“ der Priester diesen Segen sprechen dürfen.

Nach unserem Verständnis darf aber nicht nur ein Priester oder eine Pfarrerin so segnen. Das Neue Testament bezeugt, dass alle getauften Menschen zu Priestern geweiht sind. Im 1. Petrusbrief heißt es: „Ihr seid ein königliches Priestertum.“ Jede und jeder Getaufte kann und darf diesen Segen einem anderen zusprechen.

Gottes Zuwendung

Auffällig beim aaronitischen Segen ist besonders, wie persönlich der Segen Gottes ist: jedem einzelnen Menschen wendet Gott sich zu und blickt ihn freundlich an, jeden einzelnen will Gott begleiten, jeder einzelnen soll Frieden gegeben werden. Das dürfen wir immer wieder erfahren.

Wie macht Gott das konkret?
Ich denke, unter anderem auch durch uns Menschen. Als königliche Priester (1.Petr.2) können wir Segen zu den Menschen bringen. Der größte Segen ist, wenn wir den Menschen etwas von Gott zeigen. Durch unsere Worte und Taten.

Durch andere Menschen erfahre ich etwas vom Segen Gottes. Menschen werden mir zum Segen, wenn sie mich in schweren Zeiten begleiten oder fördern. Ich spüre etwas von Gottes Segen, wenn mich jemand freundlich anlächelt und damit meine trüben Gedanken vertreibt. Wenn jemand mit mir gnädig ist und mir verzeiht.

Wir können uns Segen um Segen in den nicht versiegenden Segensstrom Gottes stellen, uns einhüllen lassen von ihm, gesegnet unsere Wege gehen und anderen zum Segen werden.

Anderen zum Segen werden, das heißt, behütet andere zu behüten. Das heißt, die erfahrene Freundlichkeit freundlich weiterzugeben und mit sich und anderen gnädig zu sein, weil man Gnade erleben durfte. Anderen zum Segen werden, das heißt auch, vom Frieden weiterzugeben, der einem selbst zuteilwurde.

Vielleicht fällt Ihnen etwas ein, wie Sie Ihren Lieben, Ihrer Familie, Ihrer Nachbarin, Ihrem Arbeitskollegen zum Segen werden können. Versuchen Sie es doch einfach einmal!

Julia Kling

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